15. Juli 2010 TU Dortmund stellt das FTB vor
An-Institut erforscht und erprobt Technik für behinderte und ältere Menschen
Die TU Dortmund kooperiert seit Jahren mit dem Forschungsinstitut Technologie und Behinderung (FTB) der Evangelischen Stiftung Volmarstein, einem großen Rehabilitationszentrum für ältere, kranke und behinderte Menschen in Wetter an der Ruhr. Was dieses An-Institut eigentlich so macht, das schildert das Rektorat in einem der Infobriefe, die ihre An-Institute in Serie vorstellen:
Moderne Technologien für Menschen mit Behinderungen zu erforschen und die Anwendung in der Praxis zu erproben – das hat sich das Forschungsinstitut Technologie und Behinderung (FTB) auf die Fahnen geschrieben. Die Wissenschaftler kümmern sich um so unterschiedliche Dinge wie Gehhilfen, Fernbedienungen oder Sprachausgaben für den Computer. Dabei finden moderne Technologien Anwendung bei individuellen Hilfsmitteln, in Infrastrukturen und Systemen. Dieses breite Spektrum spiegelt sich auch in der Belegschaft des Instituts wider: Am FTB sind insgesamt rund 25 Sozialwissenschaftler, Pädagogen, Elektrotechniker, Informatiker, Maschinenbauer und Ergotherapeuten tätig. Sie arbeiten in drei Schwerpunktbereichen: assistive Technologie, Barrierefreiheit und universelles Design. Universelles Design, also ein Design, das allen Anspruchsgruppen gerecht wird, ist aus Sicht von Institutsleiter Prof. Dr. Christian Bühler absolut erstrebenswert – nicht nur aus ideologischen Erwägungen, sondern durchaus auch aus Gründen der Wirtschaftlichkeit: „Es ist ja schließlich oft wirtschaftlicher und inklusiver statt einen Treppenlift für gehbehinderte Personen nachzurüsten direkt einen barrierefreien Aufzug für alle Nutzer zu installieren.“ Allerdings erschweren die unterschiedlichen Ansprüche der Nutzergruppen oft ein solches Design. Bühler verdeutlicht dies an einem einfachen Beispiel: „Für blinde Menschen sind Bordsteine eine Orientierung – für Rollstuhlfahrer allerdings ein Hindernis.“
Die konkrete Arbeit am FTB beinhaltet zum einen die Erforschung und Entwicklung technologischer Unterstützung für Menschen mit Behinderungen. Ein weiteres Thema ist der Test und die Erprobung von Hilfsmitteln in der Praxis. Das dritte wichtige Aufgabenfeld ist die Information und Beratung. Ob neues Gebäude oder barrierefreie Internetseite – Behörden, Verbände und Unternehmen erhalten beim FTB Unterstützung bei der Umsetzung. Dabei schauen Bühler und sein Team immer wieder über den deutschen Tellerrand: „Wir haben zahlreiche internationale Kontakte etwa in Forschungsprojekten der EU und informieren uns, was in Sachen Technologie für Menschen mit Behinderungen und Barrierefreiheit in anderen Ländern passiert.“
Da Institutsleiter Bühler gleichzeitig auch Professor für Rehabilitationstechnologie an der TU ist, ergeben sich zahlreiche Kooperationen zwischen der Hochschule und dem FTB. So bietet er beispielsweise Hilfsmittelpraktika an. „Die Studierenden können da selbst bestimmte Hilfsmittel wie Rollstühle oder Esshilfen ausprobieren. Das ist natürlich einprägsamer, als wenn man nur darüber liest“, so Bühler. Und auch zum Thema Barrierefreiheit bindet er seine Studierenden ein. Sie nehmen regelmäßig öffentliche Gebäude und Anlagen unter die Lupe - zuletzt die Spielstätten von Ruhr.2010. (http://ab-nrw.de/). Aber auch in der Forschung gibt es gemeinsame Projekte zum Beispiel im Bereich der Barrierefreiheit von Internettechnologien und der Entwicklung des universellen Design.
Aus Bühlers Sicht hat sich in den 20 Jahren seit Bestehen des FTB schon eine Menge getan: „Technologiegestützte Barrierefreiheit ist ein Boomthema mit zahlreichen Facetten und mittlerweile kümmern sich viele darum.“ Dazu trägt auch die alternde Gesellschaft bei – schließlich betrifft das Thema nicht nur Menschen mit Behinderungen sondern auch alte und kranke Menschen. Daher ist sich Bühler sicher: „Die Arbeit geht uns auch in Zukunft nicht aus.“




Johannes-Dieter Blenckers, Beschäftigter Werkstatt für behinderte Menschen